Cocktail Geschichten

CUBA LIBRE - GESCHICHTE EINES MYTHOS

Der Cuba Libre ist eines der bekanntesten Mixgetränke der Welt. Wir gehen dem Mythos, der sich um seine Entstehung gebildet hat, auf den Grund.

Kurz gesagt

Der Cuba Libre ist eines der bekanntesten Mixgetränke der Welt. Einerseits wegen seiner weitverbreiteten Zutaten und der einfachen Rezeptur, andererseits wegen des Mythos, der sich um seine Entstehung und Bedeutung gebildet hat. Auch bei uns an der mobilen Cocktailbar ist der Cuba Libre ein nach wie vor viel gefragtes Getränk – und deshalb wollen wir uns die Hintergründe zur Entstehung dieses Klassikers unter den Longdrinks einmal genauer ansehen.

Voraussetzungen: Rum, Zucker und Coca-Cola

Irgendwann gegen Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts müssen auf Kuba die Zutaten Rum und Coca-Cola zueinander gefunden haben und das Getränk zu seinem Namen „Cuba Libre“ gekommen sein. Kuba war spanische Kolonie und entwickelte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts zum weltgrößten Zuckerproduzenten. Die bei der Zuckerherstellung aus Zuckerrohr anfallenden Reste, Melasse genannt, wurden zunehmend zur Produktion von Rum verwendet, wodurch sich ein zusätzliches lukratives Geschäftsfeld ergab.

Coca-Cola wurde 1886 von dem Apotheker John Stith Pemberton ursprünglich gegen Kopfschmerzen erfunden.1 Er verkaufte die Rechte 1887 an den Apothekengroßhändler Asa Griggs Candler, der 1892 die Coca-Cola Company gründete und das Produkt in Amerika und ab 1896 im benachbarten Ausland vermarktete. Ab 1900 soll Coca-Cola auch auf Kuba erhältlich gewesen sein.

Zeitgeschichtlicher Kontext: Kuba, Spanien und die USA

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts gab es auf Kuba immer wieder Versuche, sich von der spanischen Kolonialmacht zu befreien. Erst die Intervention der USA 18982 – die eher aus machtpolitisch-wirtschaftlichen Gründen erfolgte als zur Befreiung des kubanischen Volkes – brachte die Erlösung von den Besatzern. Die Folge war zwar die offizielle Unabhängigkeit Kubas, die aber faktisch eine wirtschaftliche und militärische Abhängigkeit von den USA bedeutete.

Soweit zu den Voraussetzungen und dem zeitgeschichtlichen Umfeld, in dem der Cuba Libre entstanden sein soll. Jetzt wollen wir uns die dazugehörigen Mythen und Märchen einmal genauer ansehen.

Die gängigste Story: Soldaten und der Trinkspruch

Am häufigsten liest man, der Cuba Libre sei von amerikanischen Soldaten infolge der Befreiung Kubas von den Spaniern entstanden. Die Soldaten brachten die Coca-Cola mit und mischten sie mit dem einheimischen Rum. Auf die gelungene Mixtur sollen sie „por Cuba Libre“ – „für ein freies Kuba“ – als Trinkspruch ausgerufen haben und der Drink so zu seinem Namen gekommen sein.

Fausto Rodriguez gibt 1965 an, er wäre 1900 als 14-jähriger Botenjunge eines amerikanischen Offiziers auf Kuba anwesend gewesen, als der erste Cuba Libre gemischt und ihm sein Name gegeben wurde.3 Leider war Fausto Rodriguez zur Zeit seiner Aussage in der Werbeabteilung von Bacardi tätig, die gerade eine Partnerschaft mit Coca-Cola eingegangen war :-)

Ein Dokument von 1898 – und was das bedeutet

Ein historisches Dokument belegt, dass der Name „Cuba Libre“ schon vor 1900 für ein Getränk gebraucht wurde. In der Ausgabe des Evening Star aus Washington D.C. vom 1. Dezember 1898 wird vom Besuch einer kubanischen Administration in Washington berichtet, der zum Empfang ein Cocktail mit dem Namen „Cuba Libre“ serviert wurde.4 Auf Kuba soll ein Getränk aus Rum, Melasse und Wasser unter dem Namen Cuba Libre schon unter den kubanischen Rebellen bekannt gewesen sein.

Unser Fazit: Die „offizielle“ bzw. meistgelesene Version, amerikanische Soldaten hätten den Cuba Libre aus Rum und Coca-Cola 1900 erfunden, erweist sich als wenig stichhaltig und ist wohl eher der Marketingkampagne von Bacardi aus den 1960er Jahren zu verdanken.

Belegt ist die Existenz des Namens für ein Mischgetränk ab 1898 – und wahrscheinlich ist, dass Freiheitskämpfer auf Kuba schon Mitte des 19. Jahrhunderts mit Alkohol auf ein freies Kuba anstießen. Der Rest der Geschichte ist der einzigartige Erfolg eines Erfrischungsgetränks und sein Siegeszug über die ganze Welt.

Highballs, Prohibition und die „kleine Lüge“

Coca-Cola eignet sich einfach hervorragend zum Mischen und harmoniert mit unterschiedlichstem Alkohol. Der Anfang des 20. Jahrhunderts immer beliebtere Highball5 wurde demnach auch gerne mit Coca-Cola gemischt. Während der Prohibition (1920–1933) feierten Amerikaner auf Kuba die Freiheit des Trinkens, die Andrew Sisters besangen in den 1940er Jahren „Rum and Coca Cola“, und die nach der kubanischen Revolution 1959 vertriebenen Kubaner feierten den Cuba Libre im amerikanischen Exil als Mentirita (dt.: kleine Lüge), während er auf Kuba als Symbol der Befreiung von der Diktatur galt – allerdings nicht mehr mit Coca-Cola gemischt, sondern mit der kubanischen TuKola.

Da war doch noch was: die Limette

Heute fester Bestandteil eines Cuba Libre, wird die Limette in den frühen Jahren des Getränks nie erwähnt. Irgendwann im Laufe der 1920er/30er Jahre muss sie ihren Weg in das Getränk gefunden haben. Auch bei anderen Highballs verwendete man Zitrusfrüchte als Beigabe oder Dekoration – sei es in Form einer Zeste oder als Rad oder Achtel am oder im Glas.

Gibt man den Saft einer Viertel- bis halben Limette mit ins Glas und lässt nicht wie so oft nur ein Limettenachtel schwimmen, rundet die Säure der Limette den Drink geschmacklich wunderbar ab und fungiert als Bindeglied zwischen der Süße der Coca-Cola und dem Alkoholgeschmack der Basis Rum.

Womit wir wieder bei der alten Erfolgsformel für Mischgetränke wären: Basis, Säure & Süße.

Unser Rezept

  • 4–6 cl kubanischer Golden Rum (z. B. Havana Club 3y)
  • Saft einer halben Limette
  • Coca-Cola
  • Dekoration: Limettenachtel

Wer Lust hat zu experimentieren, kann den Cuba Libre mit verschiedenen Rumsorten probieren (z. B. dunklem, gereiften Jamaika Rum), ein paar Tropfen Angostura zugeben, mit verschiedenen Cola-Sorten variieren oder z. B. Minze hinzugeben.

Wenn wir euch nicht demnächst an unserer mobilen Cocktailbar begrüßen können, um euch einen Cuba Libre zu mixen, stoßen wir gedanklich mit euch an: „Por Cuba Libre“

Euer moving bars Team

Footnotes

  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Coca-Cola

  2. https://de.wikipedia.org/wiki/Spanisch-Amerikanischer_Krieg

  3. https://www.cocktailengineering.it/storia-della-miscelazione/la-storia-del-cuba-libre/

  4. https://www.loc.gov/resource/sn83045462/1898-12-01/ed-1/?sp=1&r=0.566,0.401,0.193,0.078,0

  5. https://de.wikipedia.org/wiki/Highball