Kurz gesagt
Seit es auch hierzulande Ginger Beer oder Spicy Ginger (scharfe Ingwer-Limonade) zu kaufen gibt, hat sich der Moscow Mule schnell verbreitet. Ob im Kupferbecher oder Glas, mit oder ohne Gurke: Er hat sich eine stabile Fanbase erarbeitet – auch an unserer mobilen Cocktailbar. Ein Grund, hier mal genauer hinzuschauen, wie er eigentlich entstanden ist und warum er so heißt.
Smirnoff: Moskau, Revolution und der Weg in die USA
Auch wenn der Name es anders vermuten lässt, hat der Moscow Mule wenig bis nichts mit Russland zu tun. Bis auf die Tatsache, dass die Wodka-Marke Smirnoff – die, wie wir sehen werden, für die Entstehung dieses Getränks mitverantwortlich ist – 1886 von Pjotr Arsenjewitsch Smirnow in Moskau gegründet wurde.1 Infolge der Oktoberrevolution wurde die Familie enteignet und floh ins Ausland. Wirtschaftliche Probleme führten 1935 zum Verkauf der Marke an Rudolph Kunett, der sie wiederum an die amerikanische Spirituosenfirma G. F. Heublein Brothers Inc. verkaufte.2
Cock’n Bull, Ginger Beer und ein Marketing-Problem
Kunett soll John Gilbert Martin, dem Eigentümer von Heublein Brothers, Jack Morgan bekannt gemacht haben. Dieser betrieb ein Restaurant in Los Angeles namens Cock’n Bull und ließ hierfür ein eigenes Ginger Beer herstellen.3 Sowohl Wodka als auch Ginger Beer waren zur damaligen Zeit in Amerika kaum bekannt und deshalb schwer verkäuflich. Man suchte gemeinsam nach einer Möglichkeit, beide Produkte besser zu vermarkten – und der Geschichte nach soll in diesem Zusammenhang das Rezept für den Moscow Mule entstanden sein.
Der Kupferbecher, in dem der Drink traditionell serviert wird, wurde schnell zum Markenzeichen und sorgt auch heute noch für Aufmerksamkeit. Entweder kam diese Idee über Oseline Schmidt, eine Freundin von Jack Morgan,4 oder – so eine andere Geschichte – über die russische Emigrantin Sophie Berezinski, die versuchte, einen Posten von 2.000 Kupferbechern zu verkaufen.5
Die Idee, Alkohol mit Ginger Beer und Limettensaft zu mischen, lag nicht allzu fern, da es bereits bekannte Rezepte wie die „Highballs“ (Spirituose mit Ginger Ale), die „Rickeys“ (Spirituose mit Soda und Limette) und die „Mamie Taylors“ (Scotch, Ginger Ale, Limettensaft) gab. In den Nachkriegsjahren ab 1946 will Martin den Drink dann gezielt beworben haben, indem er Barkeeper mit dem Getränk fotografierte und das Foto in der nächsten Bar vorzeigte, um dort einen Moscow Mule zu bestellen.
Warum heißt er „Moscow Mule“?
Eine interessante Geschichte haben wir zur Erklärung des Namens gefunden: So bezeichnete man einen ungereiften oder schwarz gebrannten Whiskey – also das direkte Destillat – während der Prohibition als „White Mule“. Diese Bezeichnung soll ursprünglich von den Cherokee aus Arkansas stammen, die den dort gebrannten Whiskey so nannten, da er von „weißen Männern hergestellt wird und mit den zerstörerischen Kräften des westlichen Maultiers ausgestattet ist“. So liegt es nahe, dass Morgan und Martin bei einem ungereiften Getreide-Destillat wie Wodka der Begriff „White Mule“ in den Sinn kam.6
Gurke: Muss das sein?
Am Ende noch ein paar Gedanken zur Gurke: Wie gelesen, hat die Gurke im Moscow Mule ursprünglich nichts zu suchen. Es soll den Münchnern und ihrer Abwandlung „Munique Mule“ zu verdanken sein, dass die Gurke ihren Weg inzwischen in fast jede Moscow-Mule-Variante gefunden hat.7
Ein ähnliches Phänomen wie beim Gin Tonic, der ja auch zeitweise – unabhängig von der passenden Gin-Sorte – mit Gurke verlangt und serviert wurde. Das mag einerseits an der Optik liegen (Gurke fällt in einem Getränk immer noch mehr auf als z. B. ein Limettenachtel). Andererseits muss man auch sagen: Wenn es geschmacklich gar nicht passen würde, wäre es nicht passiert. So harmoniert Gurke wohl doch irgendwie mit der Schärfe des Ingwers und der Säure der Limette – vielleicht als eine Art Katalysator oder Bindeglied …
Den Kupferbecher kann man unserer Meinung nach getrost durch ein Glas ersetzen. Wer darauf Wert legt, kann das natürlich zu Hause entsprechend zelebrieren. Im Cocktail Catering würde es den Aufwand unnötig erhöhen, für hohen Schwund sorgen :-) – und im Glas kommt der Drink unserer Meinung nach wesentlich besser zur Geltung.
Unser Rezept
- Longdrinkglas mit Eiswürfeln füllen
- 4–5 cl Smirnoff Wodka
- Saft einer halben Limette
- mit Spicy Ginger von Thomas Henry aufgießen
- Gurkenscheiben und Limettenscheibe ins Glas geben
Mit scharfen Grüßen,
Euer moving bars Team