Cocktail Geschichten

PINA COLADA - GESCHICHTE & HERKUNFT

Wie die Piña Colada vom Strandgefühl zur weltbekannten Cocktail-Ikone wurde und warum sie trotzdem polarisiert.

Kaum ein anderes Getränk schafft es, das Gefühl von Sandstrand und Palmen so gut zu transportieren wie dieses Rezept. Vielleicht gilt die Piña Colada deshalb als einer der bekanntesten Drinks der Welt. Gleichzeitig scheiden sich an ihr die Geister. Den einen ist er zu süß und den anderen schmeckt er gerade deshalb. Die Piña Colada ist kein Mixgetränk, das der Basisspirituose viel Raum bietet, sich zu entfalten. Das könnte einer der Gründe sein, warum sie in Fachkreisen eher verpönt ist. Aber auch wenn es die Zunft der Mixologen nicht gerne hört, ist es doch eine der Kernaufgaben von Mixgetränken – und auch Teil ihres großen Erfolgs –, Alkohol Menschen schmackhaft zu machen, die ihn pur eher ablehnen würden. Sei es, wie in den frühen Jahren oder während der Prohibition, als man die Minderwertigkeit und den Fuselgeschmack von Spirituosen mit Säure und Zucker überdeckte, oder heutzutage für Gäste, die auf die Wirkung von Alkohol nicht verzichten möchten, auf seinen Geschmack aber keinen großen Wert legen. Die Piña Colada ist dafür ein Paradebeispiel.

Junge Rezeptur mit vielen Ansprüchen

In ihrer heutigen Form ist die Piña Colada ein vergleichsweise junges Rezept. Die Caribe Hilton’s Beachcomber Bar auf Puerto Rico will sie 1954 erstmals serviert haben. Das Hotel datiert die Erfindung auf den 15. August und nennt als Erfinder den Barkeeper Ramon „Monchito“ Marrero Perez. Als der amerikanische Cocktailhistoriker Jared Brown 2005 in einem Interview Zeitzeugen befragte, war die genaue Entstehung aber nicht mehr zu klären. So behauptet Ricardo Gracia, der zur gleichen Zeit in der Beachcomber Bar arbeitete, es wäre Teamarbeit gewesen.1 1963 will Don Ramon Portas Mingot, Barkeeper in der Bar des Barrachina, die Piña Colada erfunden haben. Seit 1978 ist das Rezept – dank des damaligen Gouverneurs – das offizielle Nationalgetränk Puerto Ricos.

Piratenlegende und frühe Erwähnungen

Ähnlich wie beim Mojito gibt es auch zur Entstehungsgeschichte der Piña Colada eine schwer belegbare Seeräubergeschichte. So soll der Pirat Roberto Cofresi (1791–1825) aus Puerto Rico bereits im frühen 19. Jahrhundert seinen Seeleuten eine Mischung aus Rum, Ananas und Kokoswasser ausgeschenkt haben.2 3 Das könnte durchaus so gewesen sein. Rum war bei den Seefahrern beliebt und das Wasser der Kokosnuss war, wenn keine Quellen zugänglich waren, ein bekannter Ersatz für Trinkwasser. Cofresi wird in Puerto Rico als Nationalheld gefeiert und gilt als eine Art Robin Hood unter den Seeräubern, der die Reichen ausnahm und es unter den Armen verteilte. Belegt ist, dass er die erbeuteten Güter auf regionalen Märkten zu Geld machte. Für den Ausschank des Rum-Ananas-Kokos-Getränks findet sich in den Quellen zu Cofresi’s Werdegang kein Nachweis.

Ursprünglich wurde der Begriff Piña Colada (piña = Ananas, colada = durchsieben) für frischen, gesiebten Ananassaft verwendet und als Erfrischung angeboten. Belege hierfür finden sich Anfang des 20. Jahrhunderts in verschiedenen Reiseberichten aus der Karibik4 5 und im Handbuch des Club de Cantineros von 1930 auf Kuba.6

Als alkoholisches Getränk wird die Piña Colada erstmals in einem Artikel des Travel Magazine über Kuba im Dezember 1922 erwähnt. Der Bericht beschreibt eine Mischung aus frischem Ananassaft, Zucker, Limette und Bacardi Rum.7

Die New York Times berichtet im April 1950 in einem Artikel über Getränke der Karibik von einer auf Kuba als Piña Colada bekannten Mischung aus braunem Rum, Ananasstücken und Kokosmilch.8

Entwicklung zur modernen Piña Colada

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Erfindung der Piña Colada war kein alleiniger Geniestreich der Puertoricaner und auch nicht die Leistung eines einzelnen Barkeepers. Die regionale Verfügbarkeit der Zutaten und die Verwendung von Ananas und Kokoswasser als Erfrischung und Flüssigkeitsspender legen nahe, dass sich – sobald Bars und Hotels um zahlungskräftige Kunden warben – die Verbindung von Rum, Ananas und Kokos in einem Getränk quasi aufdrängte. In diesem Zusammenhang soll nicht unerwähnt bleiben, dass die erste industriell hergestellte Cream of Coconut 1954 in Puerto Rico auf den Markt kam9 und der Elektromixer Mitte der 50er Jahre die Bars eroberte. Beides wird zum Erfolg des Rezeptes, wie es die Caribe Hilton’s Beachcomber Bar präsentierte, beigetragen haben. Die cremig-eisige Konsistenz der heutigen Piña Colada hat der Elektroblender erst möglich gemacht, und die Herstellung von Cream of Coconut war eine aufwendige und zeitraubende Prozedur, bevor man sie einfach kaufen konnte.

Zutaten, Technik und Rum-Wahl

Bleibt die Sahne als letzte und umstrittenste Zutat. Positiv gesehen ist es wie in der Küche: Vorsichtig verwendet, kann sie ein Gericht abrunden und verfeinern. Den Liebhabern der Piña Colada wird man die Sahne schwer ausreden können – wirklich nötig ist sie unserer Meinung nach nicht. Vor allem wenn man mit frischer Ananas arbeitet, ist das Ergebnis ohne die Verwendung von Sahne wesentlich leichter und fruchtiger.

Beim Rum lassen wir gerne den Gast entscheiden. Für diejenigen, die den Geschmack von Alkohol vermeiden wollen, bleibt es bei einem hellen, ungereiften Rum. Für alle anderen empfehlen wir, die Piña Colada mit einem dunklen, kräftigen Rum zu probieren.

Charles Schumann und die Colada-Familie

Zum Abschluss wollen wir nicht vergessen, Charles Schumann zu erwähnen.10 Sein nicht unwesentlicher Beitrag zur Wiederbelebung der deutschen Bar- und Cocktailkultur in den 80er Jahren hat auch für die Liebhaber der Piña Colada eine Bedeutung. Er hat gezeigt, was in der Grundrezeptur der Colada steckt, und Rezepte wie Swimmingpool oder Flying Kangaroo kreiert. Heutzutage kann man durchaus von einer Drinkgruppe der Coladas sprechen und verschiedene Basisspirituosen oder/und Liköre mit Ananas, Kokos und Sahne mischen.

Unser Rezept für die Piña Colada

  • Golden Rum: 4–5 cl
  • Kokossirup: 1–2 cl
  • Sahne: 1–2 cl
  • Ananassaft: 12 cl

Alles auf Crushed Ice im Mixer blenden und in ein großes Becherglas auf Eis geben.

Cheers, euer moving bars team

Umfangreicher Artikel zur Piña Colada, der uns angeregt hat, diesen Beitrag zu schreiben:
https://de.wikipedia.org/wiki/Pi%C3%B1a_Colada#cite_note-10

Footnotes

  1. Jared Brown: If you Like Piña Coladas. The History of the Piña Colada. In: Mixologist. The Journal of the American Cocktail. Mixellany, New York 2005, ISBN 0-9760937-0-7, S. 90ff.

  2. https://de.qaz.wiki/wiki/Roberto_Cofresi

  3. https://web.archive.org/web/20090510064939/http://www.elnuevodiario.com.do/app/article.aspx?id=110184

  4. https://wiki.webtender.com/wiki/Pina_Colada

  5. https://babel.hathitrust.org/cgi/pt?id=wu.89064200611&view=1up&seq=41&skin=2021&q1=PinaColada

  6. https://euvs-vintage-cocktail-books.cld.bz/1930-Club-de-Cantineros-de-la-Republica-de-Cuba-Manual-Oficial/104/

  7. Hinweis: Die Ausgabe vom Dezember 1922 ist online nicht einsehbar. Die zitierte Passage wird u. a. hier wiedergegeben: https://wiki.webtender.com/wiki/Pina_Colada

  8. https://www.nytimes.com/1950/04/16/archives/at-the-bar.html

  9. https://en.wikipedia.org/wiki/Ram%C3%B3n_L%C3%B3pez_Irizarry

  10. https://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Schumann