Cocktail Geschichten

PLANTER´S PUNCH - EINE (LANGE) GESCHICHTE

Der Planter´s Punch begleitet uns seit unseren ersten Cocktailjahren und stand schon während unserer Lehrzeit in den Barkarten.

Der Planter´s Punch begleitet uns, seit wir uns mit Cocktails beschäftigen. Schon während unserer Lehrjahre stand er in den Barkarten – und in Schumanns Barbuch steht er auch. Unzählige Male haben wir ihn in all den Jahren für unsere Gäste gemixt. In der von uns bevorzugten Schumanns-Variante (also „nur“ mit Orangensaft) ist er ein herber, fruchtiger Drink, mit dem man auch ausgesprochene Cocktail-Muffel (Gin-Tonic- oder Bier-Trinker) halbwegs zufriedenstellen kann.

Je nach verwendeter Rum-Sorte schmeckt dieser mehr oder weniger durch, und mit Grenadine und Zitrone kann man ihn auf den Geschmack des Gastes anpassen. In all der Zeit ist uns natürlich nicht verborgen geblieben, dass es diverse Rezeptvariationen gibt – und beim Studieren alter Barbücher ist uns nicht entgangen, dass alte Punch-Rezepte auf den ersten Blick mit dem Planter´s Punch, wie wir ihn kennen, wenig zu tun haben. Grund genug, sich dem Thema hier anzunehmen und – soweit möglich – alle Fragen zu klären.

Was einen Punch ausmacht

Soviel wissen wir schon: Der Planter´s Punch ist eigentlich gar kein Cocktail. Wie der Name schon sagt, gehört er zur Drinkgruppe der Punches. In Jerry Thomas’ Bartender´s Guide von 18621 steht diese Gruppe gleich zu Beginn und enthält mehr als ein Drittel der von ihm beschriebenen Rezepte. Der Punch ist die mit Abstand populärste Drinkgruppe zu dieser Zeit. Er kann je nach Klima heiß oder kalt getrunken werden und wird ursprünglich in einer Punch Bowl für mehrere Personen angerichtet. Das deutsche Wort „Punsch“ ist phonetisch dem englischen „Punch“ entnommen.

Aber was macht einen Punch aus und wo ist er entstanden? Erste schriftliche Erwähnung des Wortes Punch findet sich 1632 in einem Schriftwechsel der East India Company, welche seit Anfang des 17. Jahrhunderts das Monopol für den Handel mit Indien besaß. Woraus ein Punch besteht, berichtet der deutsche Adelige Johann Albrecht von Mandelsloh 1638 in seinem Reisebericht aus Indien auf Seite 28.2 Er schreibt von einem Getränk englischer Seeleute: „… das Sie Palepuntzen nennen / wird von starken Branndwein / Zitronensaft / Zucker und Rosenwasser gemischet.“

Frühe Quellen und Namensherkunft

Der Name Punch soll – so eine der Geschichten – vom indischen Wort „pantsch“ für „fünf“ kommen und auf die ursprüngliche Anzahl der Zutaten hinweisen. Als fünfte Zutat gelten Gewürze. Da diese aber erst wesentlich später auftauchen und sich für die indische Herkunft des Getränks keine historischen Belege finden, gilt diese These als umstritten. Punch könnte – so eine andere Erklärung – von „Puncheon“ kommen, ein großes Fass, in dem man Branntwein oder Rum auf Schiffen transportierte. Aber auch hier gibt es Zweifel: Ein Puncheon3 fasst mehr als 300 Liter, und alte Inventarlisten der East India Company belegen, dass die damals mitgeführten Mengen wesentlich geringer waren. So verwendete man für Spirituosen Barrels4 oder Rundlets5, die ein kleineres Volumen besaßen.

Als sicher gilt, dass die Entstehung des Punches eng mit der Geschichte der Seefahrt zusammenhängt. Die Haltbarkeit von Lebensmitteln und die Versorgung mit Flüssigkeit waren ein großes Problem für alle Seefahrer – umso mehr, wenn die Reise in tropische Gefilde führte. Dies gilt auch für Bier und Wein, welche man ursprünglich als haltbaren Ersatz für Trinkwasser an Bord hatte. Als die Britische East India Company 1601 ihre ersten Schiffe auf die Reise schickte, führte man bereits Branntwein mit, den man ausschenkte, wenn Wein und Bier zur Neige gingen oder verdarben.

Auch der im Punch enthaltene Zitronensaft erklärt sich am ehesten über einen gesundheitlichen Aspekt. Skorbut6 war ein großes Problem der Seefahrt zu jener Zeit und galt als eine der Haupttodesursachen unter Seeleuten. Auf den langen Seereisen führte die Mangelernährung dazu, dass oft mehr als die Hälfte der Mannschaft an dieser Krankheit starben. Es hat bis in die Neuzeit gedauert, bis man Vitamin-C-Mangel als Ursache für Skorbut nachweisen konnte, aber es gab bereits ab dem 17. Jahrhundert immer wieder Befürworter der Gabe von Zitronensaft, um diese Krankheit zu bekämpfen.

Seefahrt und Verbreitung

Da bis auf Wasser alle anderen Zutaten im europäischen Umfeld zu dieser frühen Zeit nicht verfügbar bzw. viel zu teuer waren, wird sich der Punch also zuerst unter Seeleuten und Reisenden verbreitet haben, bis er hierzulande populär werden konnte. Dies gilt vor allem für die geheimnisvolle fünfte Zutat. Gewürze waren einer der Hauptgründe, um die weiten Reisen und die daraus resultierenden Strapazen auf sich zu nehmen. Sie waren so wertvoll wie Gold und Grund für Handelskriege.

1735 beschreibt Johann Heinrich Zedler im „Großen vollständigen Universal-Lexicon Aller Wissenschaften und Künste“7 den „Puntsch“ als „starkes Getränk unter denen Seeleuten, welches am meisten unter denen Engländern gebräuchlich ist und aus Branntwein, Wasser, Zucker, Pomeranzensaft und Muskatnüssen zubereitet wird.“ Friedrich Schiller schreibt 1803 ein Lied über den Punsch und nennt als Zutaten Zitronen, Zucker, Wasser und „Geist“. In den Punch-Rezepten, die Jerry Thomas beschreibt, ist die Muskatnuss dann häufiger zu finden.

Vom Rum Punch zum Planter´s Punch

Aber all das hat noch sehr wenig mit dem zu tun, was wir heute unter einem Planter´s Punch verstehen. Eine erste Quelle findet sich 1878 im Londoner Fun Magazine.8 Dort wird der Planter´s Punch als Getränk aus Jamaica mit den Zutaten Rum, Zitronensaft, Zucker und Wasser beschrieben. Der nur ein Jahr später erstmals auf Jamaica hergestellte Meyers’s Rum bewarb seine Marke als „Planter´s Punch Brand“ und mag einiges für die Verbreitung des Rezeptes getan haben. Aber auch hier handelt es sich noch um die ursprüngliche Rezeptur eines klassischen Rum Punch nach der alten Formel „one of sour, two of sweet, three of strong and four of weak“ (Limette, Zucker, Rum, Wasser bzw. Eis).

Die heute populären Rezepte mit Saft und Grenadine sind wohl eher der Tiki-Bar-Bewegung zu verdanken. In der Post-Prohibitionszeit Ende der 30er Jahre eröffneten die ersten Tiki Bars und begeisterten ihr Publikum mit exotischem Ambiente und stark alkoholischen, meist auf Rum basierenden Drinks. Trader Vic9 und Donn Beach10 kreierten einige inzwischen weltweit bekannte Drinks wie Mai Tai und Zombie. Mitte des 20. Jahrhunderts findet sich dann auch hierzulande eine der heutigen Rezeptur ähnliche Variante des Planter´s Punch. Wilhelm Stürmer führt es 1949 in seinem Buch „Cocktails by William“11 in der Rubrik Cocktails auf.

Tiki-Einfluss und heutige Varianten

Die zunehmende Verfügbarkeit von exotischen Früchten und Säften hat sicher dazu beigetragen, den Wasseranteil zu verdrängen und eine Rezeptur zu etablieren, die sich in eine Vielzahl von Caribbean Drinks einreiht: fruchtig, aromatisch – und dem heutigen Trinkgeschmack eher gerecht als die raue und einfache Form des ursprünglichen Punches.

Unser Rezept für den Planter´s Punch

  • Golden oder/und Dark Rum: 4–5 cl
  • Zitronensaft: 1–2 cl
  • Grenadine: 1 cl
  • Orangensaft: 12 cl

Alles auf Eiswürfel kräftig shaken und in ein großes Becherglas mit Eiswürfeln geben. Bei Bedarf mit Orange und Minze dekorieren. Als Highlight etwas Muskat auf den Drink reiben.

Cheers, euer moving bars team

Footnotes

  1. https://euvs-vintage-cocktail-books.cld.bz/1862-The-bar-tenders-guide-1862-2-50

  2. http://diglib.hab.de/show_image.php?dir=drucke/275-9-hist-2f&pointer=67

  3. https://de.wikipedia.org/wiki/Puncheon

  4. https://de.wikipedia.org/wiki/Barrel#Barrel_als_historisches_Fl%C3%BCssigkeitsma%C3%9F_in_England

  5. https://de.wikipedia.org/wiki/Rundlet

  6. https://de.wikipedia.org/wiki/Skorbut

  7. https://www.zedler-lexikon.de/index.html?c=blaettern&id=268773&bandnummer=29&seitenzahl=0827&supplement=0&dateiformat=1%27)

  8. https://ufdc.ufl.edu/UF00078627/00033/93x?vo=2&vo=2

  9. https://en.wikipedia.org/wiki/Trader_Vic’s

  10. https://en.wikipedia.org/wiki/Donn_Beach

  11. https://euvs-vintage-cocktail-books.cld.bz/Cocktail-by-William/74/