Wir haben in all den Jahren viele große, ambitionierte und aufwendige Veranstaltungen miterlebt, aber dieser Event wird wahrscheinlich auf ewig Platz Nr. 1 bleiben.
Anlässlich der Basel World, der grössten Schmuck- und Uhrenmesse der Welt, wurden wir mit einem Team von 5 Showbarkeepern gebucht. Als Teil einer 60-köpfigen Catering-Crew galt es, die Gäste eines bekannten Uhrenherstellers an zwei Abenden zu bewirten – eingebettet in eine Art Science-Fiction-Varieté-Theater mit Schauspielern, Sängern und Tänzern.
Location war die unterirdische Baustelle eines Autobahnkreuzes. Der Veranstalter hatte hierfür extra einen Baustopp erwirkt. Diese Tunnel wurden zur Spielstätte umdekoriert, Tresen und Bühnen eingebaut sowie der gesamte Küchen- und Lagerbereich installiert. Planung und Vorproduktion nahmen mehrere Monate in Anspruch. Zugrunde lag eine Science-Fiction-Story.
Es gab Gut und Böse, entsprechende Kostüme für alle (auch für Service und Bar) und ein Drehbuch, nach dem der Abend ablaufen sollte. Schauspiel- und Musikeinlagen wurden von Cateringphasen unterbrochen. Die Suppe kam in Plastikbeuteln von der Decke geseilt, Fingerfood wurde in Petrischalen gereicht.
Unser Part war natürlich die Bar: das Zubereiten der futuristischen Rezepte, gereicht in Einmachgläsern, und zu bestimmten Zeiten Showeinlagen hinter und auf dem Tresen. Eine Woche wurde geprobt – und übernachtet wurde in einem Luftschutzbunker (haben die Schweizer wirklich!). Die Hotels in Basel waren alle von Ausstellern und Besuchern der Messe ausgebucht. Soweit so fantastisch – aber jetzt geht’s erst los :-)
Es kam der Abend der Generalprobe, an dem die Show den Verantwortlichen der Uhrenfirma präsentiert wurde. Reine Formsache? Weit gefehlt – die Herrschaften waren „not amused“. Zu kompliziert und in der Umsetzung zu unnahbar. Kein leichter Konsumstoff für müde Messebesucher, die in kurzer Zeit begeistert, mit Speis und Trank versorgt und dann zurück in ihre Hotels gebracht werden sollten.
Unvergesslich bleibt uns der trocken ausgesprochene Satz des Chefs: „it’s a lot of money!“ In den folgenden Stunden dieser Nacht wurde das gesamte Konzept zusammengestrichen. Musiknummern flogen raus und Abläufe wurden gekürzt. Es wurde laut und es flossen Tränen.
Unser Beitrag zur Rettung war der Vorschlag, bekannte Rezepturen anbieten zu wollen: Getränke, die den Gästen geläufig sind und von denen wir wussten, dass wir das Publikum damit schnell auf „Betriebstemperatur“ bringen würden. So wurde es dann auch umgesetzt. In dieser gekürzten Version war es dann wohl auch für die geladenen Gäste ein tolles Spektakel.
Wir erinnern uns vor allem an den gigantischen Umfang dieses Projekts – und beneiden die Organisatoren nicht um das Problem, jedes Jahr für eine neue Superlative sorgen zu müssen.
Euer moving bars Team