Für alle die sich die Mühe machen und unsere Geschichten lesen, gibt es heute was zu lachen. Diesmal wechsele ich auch in die Ichform, da alles was an diesem Tag passiert ist komplett zu meinen Lasten geht.
Das Szenario war wie folgt: Ich hatte erfolgreich einen Messetag auf der „WIND“ in Husum hinter mich gebracht und sollte am Folgetag in Zinnowitz eine Cocktailschulung für Gäste in einem Hotel geben. Im telefonischen Vorgespräch hatte ich die Bedenken der F&B Managerin wegen der längeren Anfahrt noch humorvoll mit dem Hinweis: „Ich bin ja schon an der Küste“ (Husum) zerstreuen wollen, ihre Irritation darüber aber nicht ernst genommen.
An besagtem Tag frühstückte ich entspannt im Hotel in Husum und machte sogar noch ein paar Kleinigkeiten im mobilen Büro – immer in der Annahme, ich hätte keine besonders lange Anfahrt nach Zinnowitz. Als ich mich endlich ins Auto setzte und das Ziel eingab, zeigte mir das Navi eine Ankunftszeit, zu der die Schulung bereits stattfinden sollte. Nach kurzer Schockstarre und Überprüfung der Navigation, ob es eventuell an einer falschen Eingabe lag, fuhr ich los.
Unter Ausreizung der erlaubten Höchstgeschwindigkeiten und mit dem kleinen Bonus, dass die (zu dieser Zeit) verwendete Navi die neugebaute Autobahn noch nicht kannte, schaffte ich es, Zeit aufzuholen. Zum besten Zeitpunkt hatte ich meinen Fehler ausgebügelt und wäre rechtzeitig vor Ort gewesen. Aber es war wirklich nicht mein Tag – und die unterschätzte Anfahrtszeit nicht mein letzter Fehler.
Die Navigation fing mit fortlaufender Fahrtzeit an, mir vorzuschlagen, ich solle die Schnellstraße verlassen und in eine Richtung fahren, die mir nicht einleuchtete. Ich fuhr stur weiter Richtung Rügen in der Annahme, dass das Navi, da es die Schnellstraße ja nicht kannte, einen falschen Weg angeben würde. Warum ich Zinnowitz auf Rügen vermutete und wirklich erst rechts ranfuhr, um alles nochmal zu überprüfen, als ich die Brücke nach Rügen überquert hatte, weiß ich bis heute nicht. Die herausgefahrene Zeit war auf alle Fälle weg und ich war meiner Zeit wieder hinterher.
Auf dem Weg nach Usedom hatte ich noch Probleme mit dem Navi, da das Gerät jetzt wirklich nicht mehr wusste, wo es war und mir die Anzeige „OFF ROAD“ meldete. Trotz alledem habe ich es gerade noch geschafft, zu einer Zeit anzukommen, die den Start der Schulung nicht verzögerte.
Wer jetzt denkt, die Geschichte sei zu Ende, der täuscht sich. Zur Cocktailschulung – zum Thema „alkoholfreie Cocktails selbst zubereiten“ – hatten sich zwei ältere Damen und ein älterer Herr angemeldet. Der Mann in der Runde verabschiedete sich, sobald er realisierte, dass es keinen Alkohol geben würde. Mit dem Irrsinn meiner Anfahrt im Hinterkopf verbrachte ich die nächsten zwei Stunden damit, den beiden Damen ein paar Tipps mitzugeben und mir Geschichten über Erdbeerbowlen und vergangene Feste anzuhören.
Etwas erschöpft von dem bisherigen Tag, aber erleichtert darüber, alles noch geschafft zu haben, überstand ich noch das Kundengespräch mit der ambitionierten F&B Managerin, ließ mich verköstigen und machte mich auf den Heimweg. Nein, die Geschichte ist immer noch nicht vorbei … der Tag war noch nicht geschafft.
Auf der turbulenten Anfahrt hatte ich aus Zeitgründen nur einen sehr kurzen Tankstellenstopp eingelegt und Formel-1-mäßig nur das getankt, was nötig war, um anzukommen. Der Plan war, auf der Rückfahrt ganz in Ruhe die nächste Tankstelle zu nehmen, den Tank zu füllen und dann nach Hause zu fahren. Nun muss man wissen, dass auf der Strecke von Usedom nach Berlin (zumindest war es damals so) einfach keine Tankstelle kommt. Auch die Navigation (die schon an so vielem Schuld war) konnte zur damaligen Zeit noch nicht helfen und mir eine Tankstelle nennen.
Was aber ging, war die Tankanzeige, die mir, je länger es dauerte, anzeigte, dass der Tank bald leer sein würde. Langsam aber sicher wurde ich panisch und malte mir aus, wie ich auf der Autobahn, ohne Sprit, liegen bleiben würde. Ich beschloss, die Autobahn zu verlassen, in der Hoffnung, auf dem Land eine Tankstelle zu finden.
Es war inzwischen dunkel und die Landstraße machte meine Situation noch schlimmer. Würde ich hier liegen bleiben, hätte ich nicht einmal einen Seitenstreifen zum Halten. Ich weiß nicht, wie die kleine brandenburgische Ortschaft hieß, die ich erreichte, aber gefühlt war sie menschenleer und ausgestorben. Ich klingelte verzweifelt an mehreren Türen, bis mir sehr misstrauisch jemand einen Spalt breit öffnete und meine Frage nach der nächstgelegenen Tankstelle beantwortete. Ein Dorf weiter also … gefühlt bin ich auf die rettende Tankstelle ausgerollt und konnte dann ohne weitere Vorkommnisse meinen Rückweg beenden.
Nach diesem Tag wusste ich: Routenplanung ist eine sehr wichtige Sache, bei der alle Sinne hellwach sein sollten und die man mindestens am Vortag erledigt. Als „Wessi“ unterwegs in den neuen Bundesländern gibt es viel zu lernen, Tankstellen sind auch auf Autobahnen keine Selbstverständlichkeit, die Weiterentwicklung der mobilen Navigation ist ein Segen und …
Zinnowitz liegt nicht auf Rügen :-)
Euer Markus von moving bars